Mit der Enthüllung des sogenannten „FTM-Flaps“ am zweiten Testtag in Bahrain hat Ferrari ein technisches Konzept wiederbelebt, das viele Experten bereits in den Geschichtsbüchern der Formel 1 wähnten. Dieser kleine, unscheinbare Flügel direkt hinter dem Auspuffendrohr ist weit mehr als nur ein Zusatzbauteil er ist das Herzstück einer integrierten Heck-Architektur, mit der sich Ferrari einen entscheidenden Vorteil im neuen Reglement 2026 erhofft.

Was der „Trick“ aerodynamisch bringt

Der FTM-Flap erfüllt eine duale aerodynamische Funktion, die Ferrari dabei helfen soll, das Defizit durch den Wegfall der „Beam Wings“ (die Flügel unter dem Hauptheckflügel) auszugleichen.   

1. Die „Saugpumpe“ für den Diffusor

Die primäre Hoffnung der Ingenieure in Maranello liegt in der energetischen Aufladung des Diffusors. Durch die hochenergetischen Abgase, die über das Winglet strömen, entsteht ein lokaler Niederdruckbereich. Dieser wirkt wie eine Saugpumpe auf die Luftmassen, die unter dem Auto durch den Diffusor strömen.   

  • Der Effekt: Die Luft wird schneller unter dem Auto herausgezogen, was den Unterdruck am Unterboden verstärkt und somit den Abtrieb massiv erhöht.   
  • Die Bedeutung: Da die Unterböden 2026 flacher sind und weniger Abtrieb generieren als bisher, ist jede zusätzliche Effizienz im Diffusor-Zentrum von unschätzbarem Wert.   

2. Gezielter „Upwash“ für den Heckflügel

Das Winglet ist so geformt, dass es den Abgasstrom steil nach oben ablenkt.   

  • Der Effekt: Dieser heiße, schnelle Gasstrom trifft direkt auf die Unterseite des Heckflügels.   
  • Der Nutzen: Es stabilisiert die Strömung am Heckflügel, besonders in Kurven bei geringeren Geschwindigkeiten. Dies erinnert an das Konzept des „Monkey Seat“, der früher zur Unterstützung des Heckflügels eingesetzt wurde, nun aber durch die geschickte Ausnutzung von Reglement-Lücken legal zurückkehrt.

Warum das 2026er Reglement diesen Trick erst möglich macht

Die eigentliche Genialität liegt in der Synergie mit der neuen Power Unit Architektur. Ab 2026 fällt die MGU-H (die Wärmeenergie-Rückgewinnung am Turbolader) weg.   

  • Konstanter Abgasstrom: Da der Elektromotor (MGU-K) nun 350 kW leisten muss, wird der Verbrennungsmotor viel häufiger als Generator zum Laden der Batterie genutzt.   
  • Das Ergebnis: Der V6 läuft auch beim Anbremsen und in langsamen Kurven mit hohen Drehzahlen, um Strom zu erzeugen. Dadurch bleibt der Abgasstrom – und damit der aerodynamische Effekt am Flügel – konstant hoch. Frühere Systeme litten darunter, dass der Abtrieb abriss, sobald der Fahrer vom Gas ging; dieses Problem scheint Ferrari 2026 gelöst zu haben.   

Die strategische Hoffnung: Ein „Baked-in“ Vorteil

Ferrari erhofft sich durch diesen Trick einen Vorsprung, den die Konkurrenz nicht einfach durch eine Kopie aufholen kann. Die Integration des FTM-Flaps erforderte eine radikale Neukonstruktion des Fahrzeughecks:   

  1. Verschobenes Differential: Um den Flügel legal innerhalb der 60-mm-Regel hinter der Hinterachse zu platzieren, musste das Differential extrem weit nach hinten unter die Crash-Struktur verschoben werden.   
  2. Thermische Herausforderung: Das Bauteil ist aus hitzebeständigen Metalllegierungen gefertigt, um den über 800∘C heißen Abgasen standzuhalten.   
  3. Hürden für Rivalen: Teams wie Red Bull oder Mercedes müssten ihr gesamtes Getriebegehäuse und die hintere Aufhängung neu konstruieren, um den Bauraum für eine ähnliche Lösung zu schaffen – ein Vorhaben, das unter dem aktuellen Budget Cap Monate dauern würde.   

Ferrari setzt mit dem FTM-Flap darauf, die aerodynamische Instabilität, die viele Teams durch das neue Reglement befürchten, durch eine konstante „Anblasung“ des Hecks zu eliminieren. Wenn sich die Korrelation zwischen Windkanal und Strecke in den ersten Rennen bestätigt, könnte dieser „Auspuff Trick“ Ferrari eine Stabilität auf der Hinterachse verleihen, die in der frühen Phase der Saison 2026 den Unterschied ausmacht.   

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