Die These: Wir leiden an einer kollektiven, motorsportlichen Demenz

Es ist wieder so weit. In Spanien drehen die neuen F1 Boliden ihre Runden, und die sogenannten Experten der Formel 1 bekommen kollektiv Schnappatmung. Der Tenor? „Es fühlt sich an wie 2014!“ Die Silberpfeile wirken so souverän, dass man fast das leise Weinen der Konkurrenz im Windschatten hören kann. Doch hier liegt die Krux: Dieselben Leute, die heute prophezeien, dass Mercedes wieder alles in Grund und Boden stampfen wird, leiden unter einer faszinierenden Form von Amnesie, sobald der Name Lewis Hamilton Lewis Hamilton Voller Name: Sir Lewis Carl Davidson Hamilton Spitznamen: „Hammer“, „Billion Dollar Man“, „King Lewis“ Geburtsdatum: 7. Januar 1985 Geburtsort: Stevenage, Hertfordshire, England Nationalität: Britisch Größe: ca. 1,74 m Startnummer (F1):... fällt. Plötzlich war die Ära von 2014 bis 2020 kein technischer Overkill, sondern eine reine Demonstration göttlichen Talents, bei der das Auto quasi nur schmückendes Beiwerk war. Man kann nicht beides haben: Entweder die Maschine ist ein unbesiegbares Monster, oder der Fahrer ist ein Magier – aber bitte entscheidet euch, bevor die Saison beginnt.

Eine kleine Anekdote aus der Welt der Realitätsverweigerung

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Hardcore-Fan in einer verrauchten Bar während der letzten Testfahrten. Er erklärte mir mit Schaum vor dem Mund, dass Mercedes dieses Jahr „den Code geknackt“ habe und das Feld deklassieren würde – exakt wie damals zum Start der Hybrid-Ära. Als ich jedoch einwarf, dass Hamiltons sieben Titel vielleicht auch ein klitzekleines bisschen mit dieser absurden Überlegenheit zu tun hatten, wurde er blass. „Nein,“ zischte er, „Lewis hat das Auto überfahren! Das war purer Wille!“ Ach so. Wenn George Russell George Russell Voller Name: George William Russell Spitznamen: „Mr. Saturday“ (aufgrund seiner starken Qualifying-Leistungen, besonders in seiner Zeit bei Williams), „George“ Geburtsdatum: 15. Februar 1998 Geburtsort: King’s Lynn, Norfolk, Großbritannien Nationalität: Britisch... heute drei Sekunden schneller ist als der Rest, ist es die geniale Ingenieurskunst von Brackley. Wenn Lewis das jahrelang tat, war es Metaphysik. Es ist rührend, wie wir uns die Welt zurechtbiegen, damit das Narrativ vom einsamen Helden nicht durch profane Dinge wie einen überlegenen Verbrennungsmotor gestört wird.

Schlussfolgerung: Die Rückkehr der Dominanz (und der Ausreden)

Sollten die aktuellen Tests tatsächlich die Rückkehr der Mercedes-Dominanz einläuten, bereite ich mich schon jetzt auf das geistige Spagat der Fanbase vor. Wir werden wieder Analysen lesen, warum dieses Auto eigentlich gar nicht so schnell ist, sondern nur „effizienter“ bewegt wird.

  • 2014: Ein technisches Wunderwerk, das Geschichte schrieb.
  • Heute: Die Angst vor der Langeweile, die wir uns als ‚Spannung‘ verkaufen.
  • Die Wahrheit: Wir lieben die Dominanz, solange sie uns die Illusion lässt, wir würden Sportgeschichte und keine Fließbandarbeit sehen.

Am Ende ist es ganz einfach: Wenn Mercedes dieses Jahr wieder alles gewinnt, war es das Auto. Außer natürlich, Ihr Lieblingsfahrer sitzt drin dann ist es pures Genie. Willkommen in der wunderbaren, verlogenen Welt der Formel 1.

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